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Neue Schweine braucht das Land

Beim traditionellen NewPig-Festival unterm Rosenstein in Heubach haben Newcomer Bands eine reelle Chanche

Hellraisers & Beerdrinkers

Schwäbisch-Gmünd. Ein altes Seemannslied besagt: "Alle die mit uns auf Kapernfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein". Jan, sei dabei, Hein ebenfalls und natürlich Piet: "Die haben Bärte. Die fahren mit!"

Nun haben die Jungs von den "Hellraisers & Beerdrinkers" zwar Bärte, aber sie gehen nicht auf Kapernfahrt. Sondern am samstagabend auf die Bühne beim New Pig Festival in Heubach. Das Lied gehört auch gar nicht ins Repertoire der fünf Mutlanger, die auch nicht Jan heißen oder Hein und Piet, sondern Felix, Fabian, Christian, Gregor und Hannes. Sie orientieren sich mehr in Richtung Folk, wobei die Grundstimmung dem Irish Folk schon nahe kommt.

Die Gruppe stammt aus Mutlangen und passt daher genau ins Konzept des New Pig Festivals, das vorwiegend Gruppen aus der Umgebung einen Raum gibt, ihre musikalischen Fußstapfen zu vertiefen. Wobei "Umgebung" durchaus nicht dogmatisch verstanden wird. Zwar sind die Bands "Los Cojones" (was aus moralischen Gründen jetzt mal nicht übersetzt wird) und "Samsara" tatsächlich Heubacher Gewächse. Die "Escandalos" (könnte man sowohl mit "die Krachmacher" als auch die "Anstößigen" übersetzen) allerdings kommen aus Ulm. Umgebung ist eben relativ.

Mit den Bands "By Chapter & Verse" sowie "Your Attitude" bestritten insgesamt sechs Gruppen zum Eintrittspreis von acht Euro den Samstagabend vor reichlich Publikum. Was natürlich auch die Veranstalter freute. Wobei nach wie vor im Vordergrund steht: "Wir sind Festveranstalter, keine Musikveranstalter", wie Uli Schmidt schon früher klarstellte. Was bedeutet, Besucher sind erwünscht, stehen aber nicht im Vordergrund. Was am Samstag anders war: Da standen sie bis zum Rand der Bühne, also bis in den Vordergrund, tanzten, freuten sich. In allen Altersstufen. Ein ganz kleiner Mann, geschätzt vier oder fünf Jahre alt, freute sich über die großen Ohrschützer, die ihm seine Mutter übergestülpt hatte.

Denn noch immer gilt auch das Wort von Wilhelm Busch: "Musik wird als störend oft empfunden, da sie mit Geräusch verbunden!" Das insbesondere, wenn Hard Rock, Heavy Metall, Ska, Raggae in Tinnitus-Lautstärke aus den Boxen knallt. Stören tut sie dagegen keinen. Die nächsten Anwohner sind geschützt durch den Wald: "Die Stellung hier unterm Rosenstein ist ein idealer Veranstaltungsort", wissen die Organisatoren.

NewOigAber egal, Hauptsache es macht Spaß. Dafür kommen manche sogar mehr als hundert Kilometer gefahren. Aus Uffenheim nördlich von Rothenburg ob der Tauber zum Beispiel. "Robsie" reist jedes Jahr nach Heubach. Er hält, sozusagen, die Stellung. Und eine Flasche "Havanna Club" in seiner Hand. "Robsie" ist fröhlich. Ganz so wie die Schwaben. Acht Jahre lang habe er einst in Schwäbisch Gmünd gelebt und seinerzeit die "lustigen Schwaben" kennen und schätzen gelernt. Zu denen ziehe es ihn immer wieder hin, erklärt er. Denn schließlich sei ja auch das New Pig Festival "sensationell geil". Mit seiner Lieblingsband, den "Hellraisers & Beerdrinkers", hat er auf jeden Fall das Trinken gemeinsam.

Die fünf jungen Leute, alle so Mitte 20, treten am späten Abend auf. Bis ein Uhr ist die Musik angesetzt. Danach stand gemütliches Beisammensein auf dem Programm. Wobei es schon deutlich abkühlte, nachdem die Sonne mit einem letzten Blick auf den Rosenstein sich anschickte, hinterm Horizont zu verschwinden. Aber spätestens seit Udo Lindenberg wissen wir: "Hinterm Horizont geht's weiter." Das New Pig Festival ging zu dem Zeitpunkt aber erst richtig los.

"Rosie" das überlebensgroße Schwein aus Stroh, begrüßte die Zuhörer am Eingang. Wie in den Vorjahren trugen die Veranstalter ihre T-Shirts mit dem Schweinchenkopf, der schon ihr Maskottchen war, als vor Jahren das New Pig Festival sich noch "umsonst & draußen" nannte. Es war tatsächlich umsonst (im Sinn von gratis) und fand draußen statt. Das ist geblieben. Aber nun wird Eintritt erhoben, und das Kind erhielt einen neuen Namen. Acht Jahre ist das inzwischen her. Und Schweinereien gibt"s höchstens mal in den Songtexten der unzähligen Bands, die seither hier auftraten.

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