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Reporter in der alten Hauptstadt

Autor: root 02.09.2017

Mit dem Spandauer Volksblatt verbinde ich auf immer meine Chance, den Beruf zu erlernen und auszuüben, der zu mir passte, wie Topf auf Deckel. Hier lernte ich nicht nur die Grundprinzipien des Journalismus, insbesondere des Lokaljournalismus. Ich lernte auch die Wirkung einer Zeitung, eines Artikels kennen. Ich lernte, welches Ansehen eine Zeitung haben kann, wenn sie von Politik und Bevölkerung geachtet und respektiert wird. Ich lernte den Umgang mit Informanten, und ich machte meine Anfängerfehler. Manche davon brachten nur Ärger ein, andere kosteten den Verlag richtig Geld.

Berlin-Spandau ist ein Stadtteil wie anderswo eine Großstadt. Rund 260.000 Einwohner, fast 92 Quadratkilometer groß, durchflossen von der Havel, in die in Spandau die Spree mündet. Siemens gehört zu Spandau und damit auch der gleichnamige Stadtteil Siemensstadt. Die BMW-Motorradwerke haben ihren Sitz in Spandau und damals auch noch das alliierte Kriegsverbrecher-Gefängnis mit dem einstigen Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß als einzigen Insassen. Der Rüstungsminister des Deutschen Nazi-Reiches Albert Speer und Baldur von Schirach, zuletzt Gauleiter und Reichsstatthalter in Wien, waren 1966 nach 20 Jahren Haft entlassen worden.

Spandau gehörte zum Britischen Sektor, im Gefängnis allerdings wechslten alle vier Wochen die Bewacher. Auch die Sowjets rückten alle Nase lang ein und zogen wieder ab.

Als sich Heß am 17. August 1987 umbrachte, war das natürlich ein Ereignis für die Medien. Auch wenn der alte Mann in den Jahren vor seinem Tod zwar da war. Aber er war im Alltag nicht präsent. Das änderte sich nach seinem Tod, nach dem schnell Verschwörungstheorien die Runde machten. Er habe sich nicht selbst getötet, er sei von gedungenen Mördern umgebracht worden. 

Unmittelbar nach dem Tod des letzten Nazi-Verbrechers an der Menschen und der Menschlichkeit wurde das gesamte Areal dem Erdboden gleichgemacht. Erst entstand ein Einkaufszentrum für die britischen Militärangehörigen, nach deren Abzug siedelten sich dort Geschäfte für die Berliner und Brandenburger Bevölkerung an.

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