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root 02.09.2016

Mistretta - Die dunkle Botschaft desVorfahren"Die dunkle Botschaft des Verführers" mit der ersten Silbe des Nachnamens seines Verfassers Roberto Mistretta abzutun, wäre zu einfach. Dem Kritiker unwürdig, stellte er sich doch damit auf eine Stufe mit dem Werk des sizilianischen Autors. Der versucht krampfhaft in die Spuren seines Landsmanns Andrea Camilleri zu treten, scheitert aber kläglich.

Nicht nur, dass der Held Mistrettas, ein Maresciallo der Carabinerie namens Bonanno - lautmalerisch Camilleries Montalbano nicht unähnlich - die Tageszeiten nach dem Knurren seines Magens einteilt, Mistretta versucht auch mit mäßigem Erfolg mit Rezepten seiner Heimat zu punkten.

Sein Held ist Choleriker, schnauzt seine Mitarbeiter aus den nichtigsten Gründen an, hat immer schlechte Laune, lebt im Hotel Mama zusammen mit seiner Tochter. Von beiden erfährt man so gut wie nichts. Auch die Figur Bonannos bleibt oberflächlich. Er raucht und hustet sich dabei ständig die Seele aus dem Leib, ist zu fett - und gegen beides tut er nichts. Immerhin denkt er innerhalb des 314-Seiten-Romans hin und wieder daran. Aber auch das bleibt ohne Tiefgang.

Der Plot ist seicht. Es geht zum einen um Prostitution und Zuhälterei auf dem flachen Land Siziliens und zum anderen um sexuellen Missbrauch von Kindern. Von letzterem hätte Mistretta Finger und Feder lassen sollen. Oder besser recherchieren. Vor allem mit der Psyche missbrauchter Kinder hätte er sich intensiv befassen müssen, um die peinlichen Plattheiten zu vermeiden, die er sich bei diesem ernsthaften Thema leistet.

Alles in allem: Ein Buch, bei dem man die Bäume bedauert, die des Papiers wegen gefällt wurden, auf dem es gedruckt ist.

Robert Mistretta: "Die Dunkle Botschaft des Verführers"

BLT Verlag 2008. 7,95 Euro.

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