Rezension

Dan Brown – The Origin. Oder wie es klingt, wenn man den Hund zum Jagen trägt.

Zuerst ein Geständnis: Nein, ich habe “The Origin”, das fünfte Buch um den Symbolisten Robert Langdon, nicht gelesen. Und – Ja, ich rezensiere es dennoch. Schließlich habe ich es gehört. Immer dann, wenn ich mit dem Hund spazieren ging. Und immer häufiger dachte ich dabei: So also klingt es, wenn man einen Hund zum Jagen tragen muss.

Der Plot ist schlicht und weniger verworren als zum Beispiel bei “Illumunati” oder dem “Sakrileg” (Da Vinci Code). Die Geschichte ist platt, durchschaubar und der hinter allem und jedem steckende Superschurke war zumindest mir schon nach den ersten zwanzig Hörminuten klar. Beim “Sakrileg” hat es deutlich länger gedauert, und an die “Illuminati” kann ich mich gar nicht mehr so genau erinnern.

Worum geh’s im “Origin”? Edmund Kirsch, ein einstiger Student Langdons, inzwischen Milliardär und Super Duper Wissenschaftlicher auf der dem Gebiet der Forschung “Künstlicher Intelligenz” lädt Langdon – und viele andere – nach Bilbao ein. Im dortigen Guggenheim-Museum will er seine Forschungsergebnisse präsentieren, die die soziale und religiöse Weltordnung auf den Kopf stellen sollen: “Wo kommen wir her? – Wohin gehen wir?” lautet das Credo dieses Abends und des Buches. Und was passiert? Natürlich. Bevor Kirsch seine erschütternden Weisheiten ausbreiten kann, wird er ermordet. Der Täter ist ein einstiger hoher Offizier der spanischen Marine, der während eines Selbstmordattentats Frau und Kind verlor und seither psychisch wie moralisch abgestürzt ist. So gerät er in die Fänge einer obskuren Sekte, für die nicht die Werte Christus von Güte, Gnade und Verzeihung gelten, sondern die Rache und Vergeltung fordert.

Wieder mal gerät Langdon in Verdacht und flieht mit Ambra Vidal. Die ist nicht nur die Direktorin des Museums, sondern auch die Verlobte des spanischen Prinzen und Thronfolgers Julian. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er den Thron besteigt, denn sein Vater liegt im Sterben. Ob er selbst aber je einen Nachfolger haben wird? Das ist die Gretchenfrage, denn Ambra Vidal gestand ihm, nachdem er ihr vor laufenden Kameras während einer Fernsehsendung einen Heiratsantrag gemacht hatte, sie könne keine Kinder bekommen.

Ambra Vidal und Robert Langdon fliehen nach Barcelona, werden vom Mörder Kirschs und der Polizei sowie der Palastgarde verfolgt. In Gaudis Kirche, der “Sagrada Família” in Barcelona kommt es zum ersten Showdown zwischen Langdon und dem Mörder Kirschs, der dabei umkommt. In Barcelona suchen die beiden das Labor von Kirsch, weil sie nur dort den Code zu finden hoffen, mit dem Kirschs Präsentation über “Woher kommen wir? – Wohin gehen wir?” gestartet und via Internet der Welt gezeigt werden kann. Und nur wenn dies geschieht, kann auch die Unschuld Langdons und Ambra Vidals bewiesen werden.

Wobei sich Brown in ellenlangen, eintönigen Abhandlungen über den Bau der Sagrada Família verliert, über Gaudi, über philosophische Betrachtungen. Nebenher erfahren wir noch, dass der sterbende spanische König schwul ist und ein halbes Leben lang ein (natürlich platonisches) Verhältnis hatte mit Bischof Valdespino, dem Bischof im Königspalast, der von Prinz Julian fast wie ein Ersatzvater verehrt wird.

Übrigens ist Valdespinio der Überlebende von insgesamt drei Religionsführern, denen Kirsch im Vorfeld seine Enthüllungen zeigte. Zu dem Triumvirat gehörten auch Rabbi Koves und der Islamgelehrten al-Fadl, die aber im Zusammenhang mit Kirsch Enthüllungen ebenfalls ermordet werden.

Zu erwähnen ist da auch noch Winston, eine künstliche Intelligenz, die als sowas wie ein Avatar Kirschs – vielleicht eher als eine ex Machina – mit seinen Möglichkeiten Wege schafft und Brücken baut. Im übertragenen Sinn natürlich, und die am Schluss sogar noch hilft, die Erkenntnisse seines Herrn und Meisters der Welt zu offenbaren, nachdem es Langdon endlich gelungen war, das aus 47 Zeichen bestehende Schlüsselwort zu finden und damit Kirschs Präsentation zu starten. Die wird dann ebenso langatmig wie langweilig wie unnötig auf einer geschätzten  Ewigkeit ausgebreitet und bringt nichts, was die Welt nicht schon in der Realität weiß, wusste, ahnte – auf jeden Fall aber diskutierte und für die Zukunft fürchtete: Wir stammen vom Affen ab und werden eines Tages von künstlicher Intelligenz beherrscht und abgelöst.

Ein Buch, das die Welt nicht braucht und das sich so langatmig und langweilig anhört, als habe der Verleger hinter Dan Brown gestanden und gedroht, ihn jeden Tag etwas mehr zu würgen, wenn der die weißen Seiten nicht mit schwarzen Buchstaben füllt.

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