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Die Schreibblockade I

Viele bekannte Autoren haben Bekanntschaft mit dem Phänomen “Schreibblockade” machen müssen. Ernest Hemingway zum Beispiel. Oder Truman Capote, J.R.Tolkien, Douglas Adams. Albert Camus klagte darüber. Franz Kafka habe im Schreibfluss ebenso gestockt wie Marcel Proust, melden Literaturwissenschaftler.

Viele junge Autoren, die mit ihrem Erstlingswerk nicht vorankommen, können sich daher schon mal als große Autoren fühlen. Haben sie doch mit den wirklich großen Schaffenden der Weltliteratur, wenn schon nicht den Erfolg und die Berühmtheit, so doch schon mal die Schreibblockade gemeinsam. Allein mit diesem Gefühl nehmen sich viele unbenannte Autoren ernster, als es ihren bisher zumeist unveröffentlichten Werken zusteht. Meist muss die “Schreibblockade” dafür herhalten, wenn es mit dem Erstlingswerk nicht vorangeht. Bei dem großen Künstler klemmt’s dann halt.

Aber was ist eine Schreibblockade? Okay, der Name sagt es schon irgendwie – eine geistige Sperre, die am Schreiben hindert. Am kreativen Schreiben natürlich. Also sind Schriftsteller, Literaturschaffende ebenso wie Drehbuchautoren, und Journalisten eine Gruppe, die bevorzugt davon heimgesucht wird.

Das Online-Lexikon “Wikipedia” definiert die Schreibblockade als “ein psychisches Phänomen, bei dessen Auftreten die Autoren dauerhaft oder vorübergehend nicht in der Lage sind zu schreiben. Sie kann als Spezialfall der Kreativitätsblockade gesehen werden”. Kreativitätsblockade? Übersetzt also: Den betroffenen Damen und Herren des literarischen Gewerbes fällt nix mehr ein. Sie sind ideenleer. So gesehen könnte man eine Schreibblockade, oder auf modern in English “Writer’s Block”, als Sonderfall des Burnout definieren.

Aber ausgerechnet ein junger Autor, der grade seinen dritten historischen Roman vorstellte, wurde einst gefragt: “Wie gehen Sie mit Schreibblockaden um?”

Er fragte zurück: “Schreibblockade? Kenn ich nicht.” Die etwas fassungslose Besucherin hakte nach: “Ja aber, was machen Sie, wenn der Schreibfluss einmal stockt?” Worauf der Jungautor präzisierte: “Schreibblockaden sind nur ein Zeichen mangelnder Planung.” Peng! Das saß. Ergo: Wer seinen Roman genau plant, der kann ihn auch ohne Unterbrechung schreiben. Das ist was dran. Und auch nicht. Also ähnlich wie bei Radio Erwin: “Im Prinzip ja, aber  . . .”

Die Deutlichkeit, mit der dieser Autor, über dessen literarisches Schaffen ich seither nichts mehr gehört habe, eine Schreibblockade als Chimäre entlarvte, hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck, mit dem ich seither immer die Stillstände im Schreibfluss – egal ob bei mir oder befreundeten Autoren – hinterfrage.

Heraus kommt dabei in 100 Prozent der Fälle die Tatsache, dass sich derjenige, der schreibt, nicht ausreichend Gedanken über sein Buch, den Plot, den Handlungsablauf, seine Figuren gemacht hat. Er stockt, weil ihm die spontanen Ideen ausgehen, statt sich am vorher geschaffenen Gerüst entlang und empor zu hangeln.

Ein angestellter Redakteur, der täglich sein Pensum abliefern muss, um zu verhindern, dass in der Zeitung weiße Flecken bleiben, kann sich eine “Schreibblockade” nicht leisten, will er nicht brotlos werden. Insofern plant er seinen Arbeitstag. Überlegt sich das Thema. Denkt darüber nach, wie er es anpackt, welche Recherchen notwendig sind, bestellt Archivmaterial, liest sich in das Thema ein, spricht mit Fachleuten und/oder Informanten.

Dazu gehört auch zu prüfen, was sich seit dem letzten Artikel zu diesem Thema verändert hat – oder, wenn es sich um ein neues Thema handelt, zu filtern, was daran interessant ist und den Leser verleitet, sich dem Artikel zu widmen. Der Redakteur plant also seinen Einstieg in Thema und Artikel. Allein da kann es manchmal Phasen längeren Nachdenkens geben. Nie aber eine Blockade. Und sollte es je mal eine Unsicherheit geben, spricht man mit einem Kollegen, schildert ihm Thema und Recherchen und fragt schlicht: “Womit würdest du einsteigen?”

Das ist journalistisches Arbeiten, das sich grundsätzlich von der Arbeitsweise eines Autoren nicht unterscheidet. Ein Schriftsteller sollte, muss, seinen Plot kennen, den Ablauf planen, sich intensiv Gedanken machen über Einstieg und Ende des Romans. Planung, Plot, Exposé, Hintergrund-Recherchen sind der halbe Roman. In dieses Gerüst dann die Planken in Form von Worten und Sätzen zu legen, die andere Hälfte.

 

 

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