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Kotau der Kritiker vor den Verlagen

Eine Kritik ist eine Meinungsäußerung über ein Produkt. Das kann eine Waschmaschine, ein Fernseher oder aber, wie in der Mehrzahl der Fälle,  ein Buch sein. Buchkritiken sind ein Aushängeschild für den Verlag und den Autor. Die Mehrzahl der Anbieter wollen heute mehr als nur den Klick auf ein bis fünf Sternchen. Sie wollen eine Begründung für die Zahl der Sternchen. Das fällt nicht immer leicht.
Die wenigsten von uns sind so wortgewandt und ehrlich wie ein Marcel Reich-Ranicki, Denis Scheck oder Hellmuth Karasek.

Davon abgesehen, dass es im Internet zahllose Anleitungen und Online-Kurse gibt, wie eine Kritik aufgebaut sein sollte, sollte sich der Verfasser einer Kritik eine Meinung gebildet haben. Ich werde hier keine Gebrauchsanweisung liefern, keine Angst. Sondern schelten. Kritikerschelte verteilen.

Jeder, der sich heute Blogger nennt, schreibt über irgendetwas. Die wenigsten, die sich Blogger nennen und über etwas schreiben, können das. Und nur, weil man in der Schule mal schreiben lernte, heißt das nicht, dass man auch die Welt damit langweilen muss. Das gilt für jedwede Form des Autors. Also sowohl Buchautoren wie die Verfasser von Kritiken. Wobei die meisten Kritiken, die ich zu lesen bekomme, keine Kritiken sind. Vielmehr sind es schleimende Lobhudeleien, die meist damit enden – oder beginnen – dass der so genannte Kritiker irgendjemanden dankt, dass nun ausgerechnet ihm dieses Buch zur Verfügung gestellt wurde.

Na hoppla. Ich erhalte ein Buch zur Rezension und bedanke mich dafür? Geht’s eigentlich noch?

Mit einem Dank dürfte doch schon klar sein, dass eine neutrale Einstellung zu dem Buch nicht vorhanden ist. Eine schöngeschriebene Rezension, egal wie bescheuert das Buch ist, dürfte mit an 95 Prozent grenzender Wahrscheinlichkeit am Ende dabei rauskommen. Und vom Verlag erwartet werden.

Versteht man das unter einer ehrlichen Kritik, anhand derer sich die Leser meines Beitrags, meines Blogs, eine fundierte Meinung bilden sollen?

Ein bloggender Rezensent, der sich womöglich auch noch als Journalist versteht (und NEIN, das ist er nicht), ist grundsätzlich verpflichtet, den Lesern einen möglichst umfassenden, authentischen und neutralen Bericht zu liefern. Ich zweifle sowohl an der Authentizität wie auch an der Neutralität des Autors, wenn ich in der Kritik das Aufmerksamkeit und Lob hechelnde “Danke, dass mir Verlag XYZ dieses Buch zur Verfügung stellte” lesen muss.

Also liebe bloggende Kritiker, bedankt euch nicht für das, was Euch als Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt wird, sondern prüft es. Prüft es, lest es, bewertet es. Ehrlich und anständig. Dann dient ihr eurem Kunden. Und das ist nicht der Verlag. Das ist EUER Leser.

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