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Klappe – Text – Klappentext

Mal ehrlich gesagt, den klassischen Klappentext gibt es ja heute kaum noch. Früher, als die Bücher noch als gebundene Ausgaben erschienen und einen Schutzumschlag hatten, der jeweils auf der ersten und letzten Umschlagseite eingeklappt wurde, war es normal. Auf der eingeklappten Vorderseite stand eine kurze Inhaltsangabe – also der Klappentext – auf der hinteren meist eine kurze Vita des Autors.

Heute ist der Klappentext immer noch eine kurze, prägnante, Interesse erregende minimalistische Inhaltsangabe, steht aber meist auf der Rückseite des Taschenbuchs. Oder auf Seite fünf nach dem Schmutzblatt.

Soweit zur Vorgeschichte. Insgesamt aber ist das Verfassen von Klappentexten gestern wie heute eine schriftstellerische Kunst, die leider im Zeitalter von Books on Demand (Bücher auf Abruf – BoD), Self Publishing, eBook oder gar Hörbuch zunehmend verloren geht. Grade im Bereich BoD und Self Publishing sind derart viele ungeübte Schreiber unterwegs, bei denen man froh sein kann, wenn sie einen kompletten deutschen Satz zustande bringen. Einen Klappentext, der in aller Kürze die wichtigsten Charaktere und in zwei, maximal drei Sätzen den Inhalt spannend anreißt, darf man nicht erwarten.

Und weil dadurch natürlich die beispielhaften Vorbilder früherer Buchausgaben untergehen, machen sich die Verlage heute auch nicht mehr die Mühe, knackige Klappentexte zu verfassen. Man muss sich bloß mal die langweiligen Texte verschiedener Verlage ansehen – die natürlich auch daran liegen können, dass schlicht und einfach die Vorlagen schlecht sind. Oder man schaut sich mal die Teaser bei Amazon an.

Im Prinzip ist ein Klappentext nichts anderes als ein etwas längerer Text, den man heute als Elevator Pitch kennt. Darunter versteht man eine Vorstellung seines Manuskriptes innerhalb einer Fahrt im Fahrstuhl.

Zugrunde liegt dem Elevator Pitch ein Szenario, das davon ausgeht, dass ein Autor in ein Verlagshaus kommt und mit dem Fahrstuhl in den dritten Stock fahren will. Dauert vielleicht insgesamt drei Minuten. Nun trifft er im Fahrstuhl auf den Verleger, Lektor, Verlagsverantwortlichen, der über sein Manuskript entscheidet. Der Autor hat nun so lange Zeit, sein Buch anzupreisen und zu verkaufen, bis der Fahrstuhl im dritten Stock ankommt, die Tür sich öffnet und der Verleger ihn verlässt. Wenn er das Manuskript mitnimmt, war der Elevator Pitch ein Erfolg. Ansonsten bleibt eben ein ungedruckter Autor allein zurück.

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