Dezember, 2019

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Eschbachs Tipps

Ein Buch schreiben … berühmt werden … erfolgreich sein … reich werden ... Davon träumen viele und bei vielen zerplatzt der Traum. Es hat sich allerdings in den vergangenen Jahren eine Marktlücke für Autoren aufgetan; die schreiben nämlich Bücher darüber wie man Bücher schreibt. Nicht nur eine clevere Idee, sondern auch eine recht erfolgreiche dazu. Zumindest für die Autoren, die versprechen: "Wenn du meinen Tipps folgst, dann wirst du berühmt, erfolgreich und verdienst 'ne Menge Geld."

Dabei hat jeder Autor, insbesondere die erfolgreichen und berühmten (und selbstverständlich reichen), seine eigene Vorgehensweise beim Verfassen eines Buches. Nehmen wir jetzt mal einen Roman und verschieben die Schreibratgeber in den Bereich der Sachbücher. Für die gelten ganz andere Regeln als für Romane.

Und nicht, dass Sie denken, dies solle nun hier ein weiterer Ratgeber für Schreibanfänger werden. Damit wären Sie auf dem Holzweg. Vielmehr will ich ein wenig Werbung machen für ein Magazin, in dem einer der bekanntesten deutschen Autoren seinen Weg erklärt, einen Roman zu schreiben.

Spätestens seit dem "Jesus-Video" kennt man Andreas Eschbach, der zu den produktivsten deutschen Autoren gehört. Ich habe nicht nachgezählt, wieviel Bücher er bereits veröffentlicht hat, die eine Melange sind aus Fiction und Realität. Sowas wie "Realofiction", vielleicht. Oft mischt er aktuelle Themen in seine Plots. In "Ein König von Deutschland" zum Beispiel beschreibt er, wohin der Einsatz von Wahlcomputern führen kann - und was dabei rauskommen könnte, manipuliere jemand die Maschinen im Interesse Einzelner.

Auch in "Ausgebrannt" ist ein aktuelles Thema der rote Faden: "Was geschieht, wenn es eines Tages kein Öl mehr gibt?" "NSA" wiederum hat ein grauenhaftes Szenario zum Hintergrund: "Was hätte geschehen können, wenn es die Technik des 21. Jahrhunderts (Computer, eMail, Datenbanken, digitale Überwachung) schon sehr viel früher gegeben und den Nazis zur Verfügung gestanden hätte?"

Am Anfang eines jeden Buches, insbesondere eines Romans, steht eine Idee. Diese Idee ist meistens ein Satz. So etwa: "Man müsste mal ein Buch schreiben über … Fahrverbote in den Städten."

Aus diesem ersten Satz, dem ersten Gedanken, destilliert ein Autor seinen Plot, seinen Roman. Andreas Eschbach gibt angehenden Autoren ein tolles Rezept in die Hand: "Fassen Sie Ihren Roman in einem Satz zusammen, der mit den Worten 'Was wäre wenn ...' oder 'Angenommen ...' beginnt."

Was wäre wenn in einem kleinen brandenburgischen Dorf der Bürgermeister im Rathaus erstochen wird und alle Einwohner des Dorfes plötzlich verdächtig sind ...?'  Der Plot zu meinem neuen Roman "Wie schmeckt der Himmel". Oder: 'Angenommen ein junges Paar fährt nach Korsika fährt und trifft auf der Fähre jemanden, der den Schlüssel zum Rommel-Schatz bei sich trägt ...?' Der Plot zu meinem Buch "Korsisches Erbe" in einem Satz.

Wenn wir die erste Idee zu dem Buch über Fahrverbote in den Städten weiter spinnen wollten, müssten wir uns erst mal klar werden, wohin der Weg (also zu welchem Genre) ohne Autos führen soll. Es könnte ein Sachbuch werden darüber, wie sich die Infrastruktur verändern müsste, wie die wirtschaftliche Versorgung gesichert werden kann, welche alternativen Transportmittel für Mensch und Ware möglich wären. Es könnte auch ein Liebesroman daraus entstehen von zwei Menschen, die sich zufällig über den Weg laufen. Man könnte einen Konflikt entwickeln, weil sie die autolose Stadt begrüßt, während er seinem Auto nachtrauert. Man kann einen Krimi draus stricken oder einen Thriller. Sogar einen Science Fiction kann man daraus basteln. Diese Idee birgt Stoff für viele Möglichkeiten.

Versuchen Sie, die Handlung Ihres Buches mit 60 Wörtern zu erzählen. Keines weniger, keines mehr. Das ist ein weiterer Tipp von Andreas Eschbach, um erstens festzustellen, ob eine Idee tauglich ist für einen Roman und man selbst in der Lage, aus einer Idee einen Roman zu entwickeln. Mit diesen 60 Wörtern könnten Sie, wenn Sie die oben skizzierte Idee weiter spinnen, schon mal das Gerüst von Plot und Genre festlegen.

Nachlesen können Sie Eschbachs Schreibtipps in der Winterausgabe 2019/2020 des  Magazins "Mac & i Extra - Workshops". Neben Andreas Eschbach haben sich noch viele andere Autoren mit Themen rund um Macs Software in dem 162 Seiten starken Heft befasst. Es kostet 10.90 Euro und ist im Zeitschriftenhandel erhältlich.

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