Dezember, 2019

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…und alle liebten Dagobert

Es ist schon eine Weile her, als "Dagobert" den Karstadt-Konzern unsicher machte. Karstadt gibt es nicht mehr (gehört inzwischen zu Galeria Kaufhof), aber Dagobert ist auch nach 25 Jahren noch kein Unbekannter. Immer mal wieder holen die Medien Arno Funke heraus, der mit seiner ganz speziellen Art der Kaufhauserpressung Kriminalgeschichte schrieb. Dabei ist er einer der ganz Wenigen, denen es tatsächlich gelang, mit dem erpressten Geld zu entkommen.

Das war 1988, und er erpresste seinerzeit das KaDeWe in Berlin. 500.000 DM warf ihm die Polizei damals in Schöneberg aus einer S-Bahn zu. Der  Erpresser entkam und verprasste das Geld. Vier Jahre später meinte er, was einmal funktioniert hat, funktioniert auch ein zweites Mal.

Wie wir wissen hat es eben nicht funktioniert. Aber es dauerte immerhin zwei Jahre, bis die Polizei schließlich einen zermürbten Arno Funke fassen konnte, der danach zu neun Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Sechs saß er ab, dann wurde er wegen guter Führung vorzeitig auf Bewährung entlassen.

Während die Medien und die Bevölkerung noch darum philosophierte, wer dieser "Dagobert" wohl sein könnte, ihn zu einem modernen "Robin Hood" erklärte, Songs über ihn geschrieben wurden, trat ein Berliner Verlag an mich heran und bat mich, ein Buch darüber zu schreiben. Das war zu einem Zeitpunkt, als noch lange nicht sicher war, ob der Täter je gefasst werden kann.

Die Ermittler, die Federführung lag beim LKA Hamburg, weil dort im Karstadt an der Mönkebergstraße die erste Bombe explodiert war, wurden ziemlich unruhig, als sich herumsprach, es solle ein Buch über die Geschichte erscheinen. Und so waren sie sehr erpicht darauf, das Manuskript vor Veröffentlichung zu lesen, damit auch ja keine Ermittlungsdetails an die Öffentlichkeit dringen, die besser noch ungesagt blieben. Der Pressesprecher der Hamburger Polizei, Werner Jantosch - später wurde er sogar Polizeipräsident von Hamburg - bat höflich um Einsichtnahme.

Wir kannten uns, und irgendwie vertrauten wir uns bis zu einem gewissen Grad. Man las es also in Hamburg, gab es wie mir schien auch zähneknirschend, aber ohne irgendeine Bitte um Textänderung zurück, und so erschien das Buch.

Aus der Druckerei und auf den Markt kam es am 22. April 1994. Der Tag ist mir im Gedächtnis geblieben. Nicht nur, weil es der Tag war, an dem mein erstes Buch erschien. Nein, an diesem Tag wurde auch Arno "Dagobert" Funke gefasst. Mein Buch aus einer Melange von Fantasie und tatsächlichen Ereignissen - ich nenne es daher RealoFiction - war innerhalb von wenigen Stunden Makulatur geworden.

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